Heinz Hoffmann - "Amann"
Wuppertals Trainerlegende verstarb 94-jährig. Erinnerungen an den Meistermacher und Gründer der Deutschen Schwimmtrainer-Vereinigung, der Peter Nocke zum Welt- und Europameister machte.
Ein Nachruf von Michael Frisch
Sie haben ihn geliebt, verehrt und auch ‘mal gehasst – aber immer hoch geachtet: Egal, an welcher „Front“ Heinz Hoffmann „kämpfte“, er kannte nur ein Ziel: den Erfolg des Wuppertaler Schwimmsports. Genauer: den Erfolg seiner Wasserfreunde, mit deren Titel und Triumphe sein Name so eng verschmolzen ist wie Wuppertal mit der Schwebebahn.
Der Meistermacher, der Schwimmpapst, der Boss, der Medaillenschmied oder auch einfach „Amann“ – der gebürtige Danziger des Jahrgangs 1914 besaß viele Namen. Er war ein Unikum und ein Besessener, der seinen Ansichten nahezu alles unterordnete. Der Erfolg und die daraus resultierenden Ehrungen mit Verdienstorden auf allen Ebenen mussten ihm schließlich Recht geben. Die gnadenlose Gradlinigkeit war es, die diesen Mann durch und durch berechenbar machte.
Ein Sportverrückter, der sich allerdings ab und an im politischen Raum als Taktiker versuchte. Seine SPD-Mitgliedschaft und seine persönliche Beziehung zu Johannes Rau nutzte er in erster Linie zum Wohle des Wuppertaler Schwimmsports. In der Regel „kämpfte“ Heinz Hoffmann mit offenem Visier, was nicht nur die Politik, sondern vor allem auch seine Schwimmer zu spüren bekamen.
Und doch war er so etwas wie ein väterlicher Freund, mit dem die Aktiven mehr Zeit verbrachten, als mit ihren Eltern. Das Konzept des Mathematik- und Sportlehrers ging fast immer auf. Auch beim Aufbau einer sportlichen Infrastruktur auf Weltniveau stimmte die Kalkulation. Die Ergebnisse seiner Arbeit mit der 2009 renovierten Schwimmoper und dem nach einem Großbrand 1995 wieder aufgebauten Schwimmsport-Leistungszentrum (SSLZ) auf Küllenhahn besitzen eine Nachhaltigkeit auf Jahrzehnte.
| Geschenkt wurde Hoffmann, der bereits bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin als Jugendwart seines Heimatvereins Neptun Danzig im olympischen Jugendlager aktiv war, allerdings nichts. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet er als Offizier zunächst in Gefangenschaft und hielt sich einige Jahre im ostwestfälischen Lemgo auf. Dort schlug er sich als Handelsvertreter durchs Leben. 1951 führte ihn der Weg nach Wuppertal. Als Lehrer an der Realschule Neue Friedrichstraße traf er mit dem Schwimmpädagogen und Vereinspräsidenten Alfred Panke zusammen, der ihn für seinen Klub, den Wasserfreunden, begeisterte. Eine kontinuierliche Jugend- und Aufbauarbeit trägt 1961 die ersten nationalen Früchte. Mit Jochen Roos haben die Wasserfreunde ihren ersten Deutschen Meister seit der Rückenschwimmerin Cläre Funke 1922. „Jochen Roos war eines meiner Eigengewächse, die mich besonders stolz machten“, sagte Hoffmann zurückblickend. | ![]() |
Roos’ Titel sollte der Anfang einer in Deutschland bisher einmaligen Sammlung werden. Insgesamt 122 nationale Meisterschaften und 181 deutsche Rekorde stehen für Heinz Hoffmann zu Buche, der 1968 mit sechs Wuppertalern und 1972 mit neun eigenen Schwimmern zu den Olympischen Spielen reiste. Die Schwimmhochburg Wuppertal wurde zu einer internationalen Premium-Marke.
Die besten Trainer aus den USA und Russland kamen, um im Tal zu spionieren. Das Konzept mit intensiver Schulsportsichtung ließ kein Talent an der Wupper unentdeckt. Die Technik- und Rhythmusschule war der Schlüssel zum Erfolg. „Kondition und Kraft antrainieren, kann jeder“, sagte Heinz Hoffmann. Wasserlage, Gleiten, Energie in Tempo umsetzen – das war sein Ding. „Eins, zwei, drei - Schwimmen ist wie Walzertanzen“, so lautete sein Credo. Eine Jutta Weber, ein Volkert Meeuw, ein Olaf von Schilling oder auch ein Peter Nocke setzten diese Anweisungen perfekt um. Vier olympische Medaillen, ein WM- und zehn EM-Titel sind die internationale Ausbeute einer Arbeit, die auch ohne die Wuppertaler Bäderlandschaft wohl nie so erfolgreich gewesen wäre.
Auch dafür hat Hoffmann kämpfen müssen - auch wenn die Geburtstunde des SSLZ, das 1971 eröffnet wurde und dessen Leiter Hoffmann bis zur Pensionierung 1980 war, recht kurz und schmerzlos vonstatten ging. Der Medaillenschmied erinnert sich: „1968 bei einem geglückten Rekordversuch im strömenden Regen im Eigenbad trat ein in Regenkleidung eingepackter Mann, den ich auf dem ersten Blick nicht erkennen konnte, zu mir und sagte: Herr Hoffmann, wir bauen Ihnen das Leistungszentrum. Erst beim zweiten Blick sah ich, dass es Oberbürgermeister Gottfried Gurland war. Ich habe ihm erwidert: Sie werden sich immer auf mich verlassen können.“
Und der Schwimmsport konnte sich auf Hoffmann verlassen. Nach dem Großbrand 1995 sollte das Schwimmzentrum aus Kostengründen von der Landkarte verschwinden. Doch der Versuch, dass SSLZ „tot“ zu rechnen und damit gezielt Argumente gegen einen Wiederaufbau zu liefern, scheiterte an Hoffmanns Biss und Pfiffigkeit. Im Alter von über 80 Jahren sammelte er an der Seite des heutigen Oberbürgermeisters Peter Jung in den Fußgängerzonen für ein Bürgerbegehren mehr als 40 000 Unterschriften. Gleichzeitig präsentierte er eine über 15 Millionen Mark preiswertere Lösung für den Wiederaufbau des wohl zweckmäßigsten Sportbades Deutschlands als die Gemeinnützige Wohnungsbau Gesellschaft (GWG), die dafür 44 Millionen Mark haben wollte. Auch den Kampf um den Erhalt und die Sanierung der Schwimmoper hat Hoffmann mit dem Umbaubeschluss des Rates gewonnen.
Geld spielte für ihn selbst eher eine untergeordnete Rolle. Trotzdem war er „reich“, weil er fast sein gesamtes Leben in den Dienst der Jugend gestellt hat. „Ich habe meine Schüler und Schwimmer geliebt“, blickte der Vater des Erfolgs zurück, der in den 50er, 60er und 70er Jahren große Syltreisen mit Schulklassen und Trainingsgruppen der Wasserfreunde unternahm. Besonders stolz war er darauf, Tausenden von Kindern und Jugendlichen den richtigen Weg geebnet zu haben zu haben. Das Leben ist schwer genug, was er selbst zu spüren bekam. Sein Vater war blind, seine geliebte Frau Martha starb 1980. Auch von seiner Lebensgefährtin Ruth musste er 2004 Abschied nehmen.
Zuletzt hatte Heinz Hoffmann mit vielen Krankheiten zu kämpfen. Rücken- und Augenoperationen sowie ein Beinbruch zwangen den rastlosen Mann zur untypischen Ruhe. Dass er das SSLZ, das schon zu Lebzeiten in „Heinz-Hoffmann-Bad“ umgetauft wurde, und „sein“ Eigenbad im Bendahl nicht mehr besuchen konnte, tat sehr weh.
„Eigentlich bin ich ein Danziger. Aber ich fühle mich als Wuppertaler, weil mir diese Stadt soviel gegeben hat“, sagte der Opernliebhaber, in dessen Mietwohnung an der Jägerhofstraße das Bild des jubelnden Superstars, des Welt- und Europameisters Peter Nocke prangte.
Heinz Hoffmann, der eine Tochter und zwei Enkelsöhne hinterlässt, starb am 20. Juli 2008 in einem Barmer Pflegeheim 94-jährig. Seine Lebensleistung für Wuppertals Sport wird lebendig bleiben.
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